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Herbstliches Abschied-Feiern

Schreib-Impuls Herbst 2017

 

Heute beginne ich meinen Schreib-Impuls mit den Zeilen meiner Kollegin Laya Commenda, deren Blog ich sehr liebe. In ihrem letzten Newsletter schreibt sie:

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen zurzeit ist, dem Herbst zuzusehen. Heute saß ich auf einem Holzstapel in der hell-milden Mittagssonne und ließ mich von der überwältigenden Farbenpracht der Blätter und Bäume berauschen. Da wurde mir bewusst, dass der Herbst wirklich ein Meister des Abschiednehmens ist. Denn er lässt nicht nur Altes und Verwelktes los, sondern er FEIERT den Abschied geradezu, mit einer verschwenderischen Üppigkeit, die ihresgleichen sucht. Es ist ein intensives Auflodern, ein Fest der Vergänglichkeit.“

Danke für dieses schöne Bild: das lodernde Fest der Vergänglichkeit! Ich darf - mit Layas Erlaubnis - daran anknüpfen.


Immer wieder begeistert es mich, was wir alles von der Natur lernen können. Wie sie mit den Gegebenheiten umgeht, sich dem Rhythmus der Jahreszeiten hingibt. Wie sie uns vorzeigt, dass alles ein Fließen, ein Wandeln und Vergehen ist, um dann wieder neu zu beginnen, zu wachsen und zu erblühen. Immer und immer wieder. Unermüdlich, ohne Klagen.

Großartig, wie sie uns das vormacht mit dem Abschiednehmen, dem Loslassen: Wann hat ein Baum je versucht, ein Blatt festzuhalten, für das die Zeit des Abschieds gekommen ist? Wann je geklammert, um noch länger – "nur noch ein ganz kleines bisschen!" – etwas zu genießen, das eigentlich schon verblüht ist?

In diesem Punkt war mir die Natur immer ein großer Lehrmeister. Den Aspekt des Abschied-Feierns nehm ich gerne noch dazu.


Ich schreibe diesen Impuls auf einer Parkbank, über mir eine Buche, deren goldgelbe Blätter in der Sonne leuchten. Genau in diesem Moment fällt ein Blatt vor mir auf den Boden, gesellt sich zu den vielen anderen, die da schon liegen und die Erde weich und bunt machen. Ich beobachte, wie weitere Blätter sich lösen und abfallen, sanft schaukelnd zu Boden gleiten. Ich erfreue mich an ihrer schönen Farbe und Musterung, an der Leichtigkeit, mit der sie sich vom Ast trennen und ihrer Wege gehen, sich der Erde anvertrauen.

Ein plötzlicher Windstoß nimmt gleich ein ganzes Dutzend Blätter mit und wirbelt sie herum. Sie drehen sich im Sonnenlicht, tanzen durch die Luft. Ja wirklich, sie tanzen und feiern, ganz eindeutig!

 

 

Die Schreibanregung

 

Vielleicht mögen Sie zum Schreiben ebenfalls hinaus in die Natur gehen, auf eine Parkbank oder in den Wald?

Lesen Sie zuerst die folgenden Fragen und schreiben Sie dann schnell und intuitiv nieder, was Ihnen dazu in den Sinn kommt (= Freewriting): Ohne viel nachzudenken, ganz auf Ihre innere Stimme lauschend.

  • Was will in meinem Leben gerade losgelassen werden?
  • Wofür ist die Zeit reif, wo ist der Augenblick des Abschieds gekommen?
    (Das könnnen Dinge genauso sein wie Verhaltens- und Denkmuster. Energieraubende Gewohnheiten, Tätigkeiten, Aufgaben, Verantwortungen. Beziehungen, die nicht mehr tragen. Unrealistische Erwartungen. Hoffnungen und Träume, die welk geworden sind und  längst nicht mehr wichtig...)
  • Was darf ich getrost gehen lassen, vertrauend auf den Fluss des Lebens?
  • Welche Früchte darf ich dankbar ernten?
  • Was davon will ich bewahren, was zurücklassen? Was vielleicht weiterschenken?

Im Anschluss lesen Sie das Geschriebene noch einmal durch und legen eine Tabelle bzw. mehrere Listen an: (Hier gibt's eine Vorlage zum Ausdrucken!)

  • Das darf ich ernten / Dafür bin ich dankbar: …………..
  • Das möchte ich bewahren: …………...
  • Das darf gehen: …………...
  • Davon möchte ich mich bewusst verabschieden: ………………

Und jetzt kommt das Wichtigste, womit ich noch einmal beim Anfangsimpuls von Laya anknüpfe:

  • Wie kann und will ich diese Abschiede feiern?
    (Natürlich ist mir bei manchen Abschieden gar nicht nach Feiern zumute. Aber ich feiere damit ja auch das Neue, das in mein Leben kommen will. Und ich gebe der Trauer Raum. Und nicht zuletzt der Dankbarkeit für das, was war.)

Beginnen Sie auch hier mit einem Freewriting: Was und wie wollen Sie feiern? Malen Sie sich mit allen Sinnen aus, wie ein solches Abschiedsfest aussehen könnte. In welchen bunten Farben Sie das Abschiednehmen zelebrieren und welches Ritual Sie dazu gestalten wollen.

Wenn Sie mögen, schließen Sie auch hier noch eine Liste an oder ein Mindmap mit konkreten Ideen. Oder Sie schreiben noch ein „Gedicht mit allen Sinnen“ zum Thema Abschied, Feiern oder Herbst.
 

Bei all dem steht Ihnen die Natur Modell. Verbinden Sie sich mit ihr, tauchen Sie ein in die Farben des Herbstes, in die Qualität des Loslassens, des Abschiednehmens. Und nützen Sie das Schreiben, um dem „Fest der Vergänglichkeit“ noch mehr Kraft und Tiefe zu verleihen.

Viel Freude und Erfolg damit!

Herbstlich-feierliche Schreibgrüße
sendet
Alexandra Peischer / schreib.raum


 
 

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